Trockenes Auge (Sicca-Syndrom)

Was ist das Sicca-Syndrom?

Das Sicca-Syndrom ist der Terminus für das trockene Auge. Der Tränenfilm auf dem Auge besteht aus einer fetthaltigen und einer wässrigen Phase. Für die Produktion und Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit sind verschiedene Drüsen verantwortlich. Diese befinden sich unter dem Oberlid, in der Augenhöhle, an den Lidrändern und in der Bindehaut. Durch den regelmäßigen Lidschlag wird der Tränenfilm immer wieder auf dem Auge verteilt. An den inneren oberen und unteren Lidkanten befindet sich jeweils eine kleine Öffnung, die in die Tränenkanälchen führt. Diese münden wiederum über einen gemeinsamen Tränengang in der Nase.

Äußere Einwirkungen wie etwa extrem trockene Luft, heißes, trockenes Klima oder eine Veränderung in der Zusammensetzung des Tränenfilms können ausschlaggebend für ein trockenes Auge sein.
 
 

Symptome

Trockene Augen werden häufig begleitet durch ein Fremdkörpergefühl, Brennen, Drücken, Jucken und durch eine Rötung. Dabei kann es auch zu Schmerzen oder Lichtempfindlichkeit kommen. Häufig sind morgens die Augen verklebt. Und so paradox es klingen mag: die Augen beginnen vermehrt zu tränen, weil sie durch diese Symptome stark gereizt sind.
 
 

Ursachen

Augentrockenheit kann viele Ursachen haben, daher ist es auch wichtig, nach dem tatsächlichen Grund zu forschen. Sollte durch eine vorübergehende Behandlung mit Tränenersatzmittel die Augentrockenheit nicht behoben sein, wäre es vorteilhaft, weitere Untersuchungen beim Facharzt durchführen zu lassen.

Die häufigsten Auslöser für trockene Augen sind Umweltfaktoren wie heiße, trockene Umgebungsluft, Klimaanlagen oder Bildschirmarbeit, aber auch Ozon, Staub und Lösungsmitteldämpfe.

Nicht selten lässt die Tränenproduktion im Alter nach. Häufig stecken auch internistische Erkrankungen dahinter wie Polyarthritis, Diabetes, Schilddrüsenkrankheiten oder so genannte Autoimmunerkrankungen wie Morbus Sjörgen, Lupus erythematodes oder Sklerodermie.

Auch Hautkrankheiten oder Hormonumstellungen im Klimakterium können Auslöser für trockene Augen sein, genauso wie die Anti-Baby-Pille oder Medikamente wie Beta-Blocker, Schlaf- und Beruhigungsmittel und andere. Deshalb ist es auch wichtig, die Beipackzettel der Medikamente, die eingenommen werden, zu beachten, bevor Sie einen Augenarzt wegen Augentrockenheit aufsuchen.

Und nicht zuletzt ist manche kosmetische Augencreme genauso schlecht für die Augen wie der ständige Rauch von Zigaretten oder Zigarren.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Eine ausreichende Befeuchtung der Augen ist wichtig für ein beschwerdefreies Sehen. Ist jedoch die Tränenflüssigkeit nicht im Gleichgewicht, das heißt, produzieren die Tränendrüsen nicht genügend davon, folgen Bindehautreizungen, Trockenheitsgefühl, Brennen, Jucken, Reiben und das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben. Das kann zu strukturellen Veränderungen an Binde- und Hornhaut des Auges führen. Daher sollten Sie den Augenarzt aufgesuchen, sobald Sie spüren, dass die Augen zu trocken sind.
 
 

Diagnose

Zunächst einmal wird der Augenarzt Sie nach Ihren Beschwerden wie Trockenheits- oder Fremdkörpergefühl, Brennen oder Jucken fragen. Mit einer Spaltlampe, also unter Vergrößerung, untersucht er die Hornhaut, die Bindehaut und einzelne Schichten des vorderen Augenabschnittes bis hin zur Linse. Hierbei erkennt er bereits Rötungen der Bindehaut sowie Trübungen der Hornhaut. Kleine Schäden sind durch farbige Tropfen festzustellen, denn sie färben minimale Defekte.

Die Untersuchung des Tränenfilms, auch BUT-Bestimmung (Break-up-time) genannt, erfolgt ebenfalls durch einen Farbstoff. Dieser wird durch mehrmaliges Blinzeln im Auge verteilt und danach muss das Auge ohne Lidschlag offen gehalten werden. Dadurch ermittelt der Augenarzt die Konsistenz des Tränenfilms. Je länger das Auge ohne Lidschlag auskommt, desto stabiler ist der Tränenfilm und desto länger ist das Auge durch einen intakten, geschlossenen Oberflächenfilm geschützt.

Eine weitere Untersuchungsmethode zur Diagnostik der Augentrockenheit ist der so genannte „Schirmer-Test“. Da dieser Test für manche unangenehm ist, wird meist das Auge oberflächlich mit Augentropfen betäubt und dem Patienten dann ein Filterpapierstreifen für etwa fünf Minuten in das Unterlid jedes Auges gehängt. In dieser Zeit sollen sich die Filterpapierstreifen mit der vorhandenen Tränenflüssigkeit vollsaugen. Bei gesunden Augen beträgt die Länge auf dem Filterstreifen mindestens 10 Millimeter. Alles darunter weist auf trockene Augen hin.
 
 

Behandlung

Das wichtigste bei der Behandlung des trockenen Auges ist, die Ursache zu finden und diese gezielt zu behandeln. Leider ist dieses nicht immer möglich, da die auslösende Erkrankung häufig selbst nicht erkannt oder gefunden wird oder sich nicht erfolgreich behandeln lässt wie zum Beispiel Rheuma. Hier werden zwar Schmerzmittel verabreicht, jedoch können die Gelenkveränderungen durch Medikamente nicht beeinflusst werden.

Es bleibt also nur die Möglichkeit, die Symptome des trockenen Auges zu behandeln. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Tränenersatzmitteln. Diese bestehen überwiegend aus Wasser und einem Verdickungsmittel, das dafür sorgen soll, dass das Tränenersatzmittel länger auf der Augenoberfläche haftet und nicht so schnell über den Tränen-Nasen-Kanal ausgeschwemmt wird.

Einige Tränenersatzmittel enthalten Konservierungsmittel, die bei Patienten mit sehr empfindlichen Augen Konservierungsmittelallergien hervorrufen können. Allgemein werden Wirksamkeit und Verträglichkeit der Tränenersatzmittel sehr subjektiv empfunden, daher muss eventuell das Präparat gewechselt werden. Daneben hängt die Wahl des richtigen Tränenersatzmittels auch vom Schweregrad der Erkrankung ab und von den Bedingungen, denen die Augen täglich ausgesetzt sind. Bei konsequenter Anwendung der Tränenersatzmittel können Betroffene ihre Erkrankung jedoch entscheidend beeinflussen und bleibende Schäden vermeiden. Eine selten angewandte Methode ist der mechanische Verschluss des Tränenpünktchens. Dieses wird durch das Einsetzen kleiner Kunststoff- oder Silikonstöpsel verschlossen, so dass die Tränenflüssigkeit am Auge verbleibt und nicht durch den Tränen-Nasen-Kanal ausgeschwemmt werden kann. Allerdings muss bei diesem Eingriff gewährleistet sein, dass noch eine gewisse Mindestmenge an Tränenflüssigkeit vorhanden ist.

In seltenen Fällen kann es nach einem Unfall oder einem Schlaganfall zu Lidverformungen und dadurch zu Augentrockenheit kommen. Hier reicht eine medikamentöse Behandlung allein nicht aus, jedoch lässt sich das Problem durch eine Lidoperation beheben.

Übrigens: Tränenersatzmittel sind auch für Kontaktlinsenträger geeignet. Hier ist jedoch darauf zu achten, dass die Mittel keine Konservierungsstoffe enthalten. Diese reichern sich in weichen Kontaktlinsen an und können dadurch Schäden der Hornhaut verursachen.
 
 

Komplikationen

Ein sehr ausgeprägtes, unbehandeltes trockenes Auge kann letztendlich zu einer kompletten Hornhauttrübung und dadurch zur Erblindung führen. Daher sollte früh genug eine Therapie durch Gabe von Tränenersatz konsequent durchgeführt werden.

Ist die Augentrockenheit nicht in den Griff zu bekommen, sollte unbedingt nach der Ursache geforscht werden.
 
 

Prävention

Eine Prophylaxe kann darin bestehen, alle beeinflussenden Faktoren, die zu einer Augentrockenheit führen, auszuschalten. Diese sind in den möglichen Ursachen beschrieben.

Werden Krankheiten erkannt, die eine Augentrockenheit auslösen können, sollten früh genug Tränenersatzmittel verwendet werden.
 
 

Was kann ich selbst tun?

Wenn Sie unter Augentrockenheit leiden, sollten Sie dafür sorgen, dass in den Räumen, in denen Sie sich überwiegend aufhalten, ausreichend Luftfeuchtigkeit vorhanden ist. Gegebenenfalls hilft hier zusätzlich ein Luftbefeuchter. Frische Luft tut immer gut, daher sind häufige Aufenthalte in der Natur und mehrmaliges Lüften in den Räumen besonders gut für die Augen.

Achten Sie beim Autofahren darauf, dass das Gebläse nicht direkt auf das Gesicht gerichtet ist. Falls Sie rauchen, sollten Sie auf Zigaretten nicht nur im Auto verzichten, sondern auch zu Hause. Trinken Sie viel, mindestens zwei Liter täglich, vermeiden Sie alkoholische Getränke.

Außerdem sollten Sie regelmäßig Ihre Augen untersuchen und auch die Sehschärfe testen lassen.