Economy-Class-Syndrom

Was ist das Economy-Class-Syndrom?

Der Begriff "Economy-Class-Syndrom" bezeichnet eine Unterschenkelthrombose, die auf enges Sitzen während eines Langstreckenfluges zurückzuführen ist.

Bei der Thrombose wird ein Blutgefäß durch eine Blutgerinnsel (Thrombus) eingeengt oder verstopft. Am häufigsten sind die tiefen Bein- und Beckenvenen betroffen. Das Problem: Die Venen können nicht mehr ausreichend Blut zum Herzen transportieren. Gerade auf langen Flugreisen, sollten vor allem Risikopatienten auf ausreichend Bewegung achten, denn langes unbewegliches Sitzen in den meist engen Sitzen der Economy Class kann ein Blutgerinnsel in den Beinvenen verursachen.

Von einer Thrombose auf Langstreckenflügen sind insbesondere Menschen mit Blutgerinnungsstörungen oder Gefäßerkrankungen, Patienten mit Diabetes mellitus, starke Raucher, Schwangere, Alkoholiker, Nierenkranke sowie Frauen, die die Pille einnehmen, betroffen.
 
 

Symptome

Beinvenenthrombosen weisen in der Anfangsphase häufig keine charakteristischen Symptome auf. Erste Anzeichen können ein gelegentliches Spannungsgefühl in einem oder beiden Beinen – die so genannten „schweren Beine“ – und leicht ziehende Schmerzen in der Wade sein. Meist bessern sich diese Symptome durch Hochlagern des betroffenen Beines. Deutlicher Hinweis auf eine Beinvenenthrombose ist eine starke Schwellung des Beines und eine verstärkte Zeichnung oberflächlicher Venen. Sie treten deutlich zu Tage, wenn der Blutstau vom tiefen Venensystem bis in die oberflächlichen Venen reicht und werden daher auch als „Warnvenen“ bezeichnet.

Kennzeichnend für eine Thrombose der oberflächlichen Venen ist eine tastbare Verhärtung des betroffenen Gefäßes, einhergehend mit Schmerz und Rötung. Da das Blut aber über die so genannten Perforans-Venen (sie transportieren Blut aus den oberflächlichen in die tiefen Beinvenen) noch in das tiefe Venen-System abfließen kann, schwillt das betroffene Bein nicht an.
 
 

Ursachen

Ursächlich für die Entstehung einer Thrombose im Allgemeinen sind drei entscheidende Faktoren: Eine Schädigung der Gefäßwand, die Verlangsamung des Blutflusses und eine Veränderung der Blutzusammensetzung, einhergehend mit einer erhöhten Gerinnungsneigung. Die Verlangsamung des Blutflusses ist es, die auf langen Flügen das Risiko einer Thrombose erhöht. Denn das stundenlange bewegungsarme Sitzen im Flugzeug behindert stark den Rückfluss des Blutes aus den Beinen zum Herzen, da die Venen in der Leiste und den Kniekehlen abgeklemmt werden. Zusätzlich fehlt die Anspannung der Beinmuskulatur, die sonst beim Gehen den Blutrückstrom fördert.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Treten ein oder mehrere der genannten Symptome auf, sollten Sie einen Arzt konsultieren. Schlagartig einsetzende starke Brustschmerzen, Atemnot und ein Schockzustand machen sofortige ärztliche Hilfe dringend erforderlich.

Patienten mit einem besonders hohen Risiko, wie bereits bestehenden Thrombosen, Gipsverbänden an den Beinen und massiven Krampfadern, sollten rechtzeitig vor der Reise ebenfalls einen Spezialisten für Venenerkrankungen konsultieren, um sich ausreichend über vorbeugende Maßnahmen zu informieren.
 
 

Diagnose

Die Diagnose wird in erster Linie durch eine Phlebographie gestellt. Dabei wird in die Venen des Beines ein Kontrastmittel gespritzt. Bei der anschließenden Röntgenuntersuchung stellt sich die Thrombose dar. Spezielle Ultraschalluntersuchungen (Duplex-Sonographie), die Aufschluss über Richtung und Geschwindigkeit des Blutflusses gibt, sind ebenfalls möglich.
 
 

Behandlung

Ziel jeder Therapie ist die Wiederherstellung des Blutflusses. Diese ist jedoch nur innerhalb der ersten zehn Tage nach Entstehung des Thrombus erfolgreich. Möglich sind die Gabe von Thromben auflösenden Medikamenten (Thrombolyse), eine operative Entfernung des Gerinnsels (Thrombektomie) oder eine Überbrückung der verschlossenen Gefäßabschnitte durch eine Gefäßplastik (Bypass).

Darüber hinaus zielt die Therapie darauf ab, ein weiteres Wachstum des Blutgerinnsels zu verhindern. Zu diesem Zweck wird zunächst intravenös Heparin zur Hemmung der Blutgerinnung verabreicht. Nach etwa einer Woche wird auf andere gerinnungshemmende Medikamente, die oral eingenommen werden können, umgestellt. Diese Therapie sollte mindestens sechs Monate lang erfolgen. Zusätzlich ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen empfehlenswert.

Bei Patienten mit Vorhofflimmern, bei denen noch keine Blutgerinnsel im Herzen nachgewiesen werden konnten, sollte ebenfalls eine Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten durchgeführt werden.

Bilden sich trotz medikamentöser Behandlung wiederkehrend Thrombosen, besteht die Möglichkeit, eine Art Sieb (Cava-Schirm) in die Hohlvene einzupflanzen. Es verhindert, dass Blutgerinnsel in die Lunge gelangen.
 
 

Komplikationen

Wird eine Thrombose nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu verschiedenen Folgeschäden kommen. Am gefürchtetsten ist die Embolie. Löst sich beispielsweise der Thrombus und gelangt er mit dem Blutstrom durch das Herz in die Lungenarterien, droht eine Lungenembolie. Dabei kommt es zu einer plötzlichen Überlastung des Herzens mit der Gefahr eines Herzstillstandes. Abgeschwemmte Thrombosen aus den tiefen Bein- und Beckenvenen sind für 90 Prozent aller Lungenembolien verantwortlich. Gelangt der Pfropfen in das Gehirn, besteht das Risiko eines Schlaganfalls.

Eine lebensbedrohende Komplikation ist darüber hinaus die Besiedlung des Thrombus mit Bakterien und die Ausbreitung dieser Entzündung auf dem Blutweg (Sepsis).

Weiterer Folgeschaden kann außerdem die Ausbildung von Unterschenkelgeschwüren (Ulcus cruris) sein, wenn der Blutabstrom besonders aus den Beinen dauerhaft behindert ist. Diese so genannten „offenen Beine“ haben sehr schlechte Heilungstendenzen.

Nach einer Thrombose entwickelt sich in vielen Fällen eine bleibende Venenschwäche (so genanntes postthrombotisches Syndrom). Folgen sind eine Wassereinlagerung ins Gewebe (Ödem), die Entstehung von Krampfadern (Varizen), die Entzündung der Haut (Dermatitis) und die Bildung von Geschwüren (Ulcera).
 
 

Prävention

Grundsätzlich sollten allgemeine Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und die Einnahme der Pille vermieden werden. Auf langen Flügen – vorausgesetzt, sie verlaufen ruhig – ist es ratsam, mindestens einmal in der Stunde auszustehen und sich in der Maschine zu bewegen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, einen Platz am Gang zu wählen. Hier werden nicht nur die Sitznachbarn weniger durch das Aufstehen gestört, solch ein Platz verschafft auch die notwendige Sitzfreiheit, durch regelmäßiges Fußkreiseln die Durchblutung der Beine anzukurbeln.

Darüber hinaus sollten Reisen viel trinken, vorzugsweise Wasser oder Säfte. Denn durch die niedrige Luftfeuchtigkeit in der Kabine, verliert der Körper Flüssigkeit und das Blut wird dickflüssig – ein weiterer gefährlicher Faktor für die Entstehung einer Thrombose. Von Alkohol ist dabei abzuraten. Dieser erweitert die Venen und führt zu einer Verlangsamung des Blutstroms. Ferner führt er ebenso wie Tee oder Kaffee zu einer Entwässerung über die Nieren.

Reisende mit erhöhtem Risiko sollten während des Fluges und noch zwei Tage danach Kompressionsstrümpfe tragen. Besteht ein besonders hohes Risiko, ist eine Vorbeugung durch Blut verdünnende Medikamente erforderlich.
 
 

Was kann ich selbst tun?

Um einer Economy-Class-Thrombose vorzubeugen, befolgen Sie die unter dem Punkt Prävention genannten Tipps: Verzichten Sie, so es denn noch erlaubt ist, während eines Fluges auf das Rauchen, trinken Sie viel, aber möglichst keinen Alkohol, Kaffee und Tee, regen Sie die Durchblutung durch Fußkreiseln und Bewegung an, tragen Sie Stütz- oder Kompressionsstrümpfe und konsultieren Sie als Risikopatient vor einem Langstreckenflug einen Arzt.