Angina pectoris

Was ist Angina pectoris?

Die Angina pectoris (lat: Enge der Brust) zählt zu den Koronaren Herzerkrankungen (KHK). Hinter dem Begriff KHK verbergen sich Krankheitsbilder, bei denen überwiegend eine Verkalkung (Arteriosklerose) der Herzkranzgefäße zu Grunde liegt. Die Angina pectoris ist das häufigste Beschwerdebild der KHK.

Bei einer Angina pectoris kommt es in Folge der oben beschrieben Verkalkung und einer damit einhergehende Verengung der zum Herzen führenden Herzkranzgefäße (Koronararterien) zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels. Die Folge: Der Herzmuskel wird nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und das von der Mangeldurchblutung (Ischämie) betroffene Gewebe stirbt ab.

Abgestorbenes Gewebe ist nicht mehr in der Lage, seine Funktion zu erfüllen. Die Pumpleistung des Herzens lässt nach, es kommt zur allgemeinen Herzmuskelschwäche. Bereits geringfügige körperliche Belastungen führen bei einem Großteil der betroffenen Patienten zu Atemnot, Blaufärbung der Lippen und einem zunehmenden Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit. Auch Herzrhythmusstörungen sind häufige Folgen einer Angina pectoris.
 
 

Symptome

Hinweise auf eine Angina pectoris sind beispielsweise ein dumpfes, beklemmendes Engegefühl in der Brust. Bei manchen Patienten treten auch Schmerzen auf, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen können. Manchmal kommt es – besonders bei Frauen – auch zu Luftnot.

Einige Betroffene berichten auch über Todes- oder Erstickungsängste, andere wiederum über ein Schweregefühl oder Sensibilitätsstörungen in Armen und Händen – in den meisten Fällen sind diese Symptome in der linken Körperhälfte lokalisiert.

Im Unterschied zum Herzinfarkt treten die Beschwerden einer Angina pectoris lediglich bei körperlicher oder psychischer Belastung auf und verschwinden in der Ruhephase wieder. Oftmals haben sie anfallsartigen Charakter.

In manchen Fällen verläuft die Angina pectoris auch ohne oder mit nur geringfügigen Symptomen, die von den Betroffenen kaum wahrgenommen werden. In diesem Fall spricht man von einem „stummen“ Verlauf. Dann kann es ohne jegliche Vorzeichen zu einem Herzinfarkt kommen.
 
 

Ursachen

Die häufigste Ursache einer Angina pectoris ist eine Einengung einer oder mehrerer Herzkranzgefäße (Koronararterien). Die Einengung wiederum ist in den meisten Fällen die Folge einer Arteriosklerose.

Die Arteriosklerose entsteht – so wird vermutet – durch ein fehlerhaftes Zusammenspiel verschiedener Komponenten der Gefäßwände und des Blutes. Risikofaktoren, die eine Verengung durch Kalkablagerungen begünstigen, können neben einer genetischen Veranlagung vor allem Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes mellitus, Rauchen, mangelnde Bewegung und bestimmte Fettstoffwechselstörungen sein.

Als weitere Ursachen kommen auch Grunderkrankungen wie Blutmangel oder eine Schilddrüsenüberfunktion in Frage. Männer sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Frauen.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Jede unbehandelte Angina pectoris birgt die Gefahr in sich, zu einem vollständigen Verschluss der Herzkranzgefäße und damit zu einem Herzinfarkt zu führen. Daher sollte schon bei geringen Beschwerden sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Beachten Sie den Grundsatz: Niemals in der Nacht auf den Morgen warten, niemals am Wochenende auf den Montag warten!

Eine frühzeitige Behandlung erhöht die Chance, einen drohenden Herzinfarkt zu erkennen und in vielen Fällen zu vermeiden.

In manchen Fällen sind die Beschwerden Ursache einer anderen Erkrankung, aber auch dies muss ärztlicherseits abgeklärt werden.
 
 

Diagnose

Der Arzt wird zunächst die so genannte Anamnese erstellen, das heißt Sie nach Beschwerden, Risikofaktoren und familiärer Belastung befragen und eine gründliche körperliche Untersuchung vornehmen, zu der in jedem Fall sowohl ein Ruhe- als auch ein Belastungs-EKG gehören. Hier werden die Herzströme unter körperlicher Belastung auf dem Fahrradergometer oder dem Laufband abgeleitet. An bestimmten Veränderungen der Herzströme kann der Arzt eine Minderversorgung der betroffenen Areale des Herzmuskels erkennen.

Gegebenfalls wird zusätzlich eine Herzkatheteruntersuchung angeordnet. Bei dieser Untersuchung wird – meist von der Leistenarterie ausgehend – ein Katheter bis zum Herzen vorgeschoben. Auf diese Weise können krankhafte Veränderungen direkt „vor Ort“ eingesehen werden. So kann ein genaues Bild über die Art der Verengung sowie das Ausmaß einer vorhandenen Herzschwäche gewonnen werden. Auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) liefert wichtige Erkenntnisse über den Zustand und die Funktionsfähigkeit des Herzens.

Um die Ursache der Angina pectoris herauszufinden, ist es wichtig, eventuelle Risikofaktoren zu ermitteln. Aus dem 24-Stunden-Blutdruckmessung und verschiedene Blutuntersuchungen kann der Arzt relevante Schlüsse ziehen und so den Auslöser der Erkrankung bestimmen oder zumindest eingrenzen.
 
 

Behandlung

Die Behandlung der Angina pectoris hängt von den Ursachen ab. Je nach Auslöser stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung.

• Blutgerinnungshemmende Mittel verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und beugen Blutgerinnseln vor
• Betablocker senken den Blutdruck und die Schlagfrequenz und entlasten auf diese Weise das Herz
• Cholesterin senkende Medikamente (meist Statine) können dem Auftreten und Fortschreiten der Arteriosklerose entgegenwirken
• Kalzium-Antagonisten wirken Blutdruck senkend und entkrampfen darüber hinaus die Herzkranzgefäße
• ACE-Hemmer senken den Blutdruck und verbessern die Prognose bei Patienten mit einem erhöhten Komplikationsrisiko

Für den Notfall wird der Arzt Ihnen Nitroglycerin in Kapselform oder als Spray verordnen. Bei einem akuten Angina-pectoris-Anfall hilft Nitroglycerin innerhalb von Sekunden durch Weitstellung der Gefäße.

Ist eine medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend, gibt es die Möglichkeit einer interventionellen beziehungsweise operativen Maßnahme.

Interventionell: Mittels eines Ballonkatheters beispielsweise, kann die verengte Stelle in der Arterie aufgespreizt und zusätzlich zur Stabilisierung eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt werden.

Operativ: Sind mehrere Gefäße betroffen, kann eine Bypass-Operation erforderlich sein. Hierbei wird der krankhaft verengte Gefäßabschnitt durch eine körpereigene Arterie oder Vene oder einen Kunststoffschlauch ersetzt.
 
 

Komplikationen

Wird eine Angina pectoris nicht behandelt, steigt die Gefahr, einen vollständigen Verschluss der Koronargefäße und damit einen Herzinfarkt zu erleiden, deutlich an.

Die körperliche Belastbarkeit ist in vielen Fällen stark herabgesetzt, die Lebensqualität eingeschränkt. Für viele Menschen ergeben sich durch die mangelnde Leistungsfähigkeit auch Einschränkungen in ihrer beruflichen Tätigkeit.

Außerdem manifestieren sich bei einer nicht behandelten Angina pectoris häufig Folgeerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, chronische Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder ein chronisches Engegefühl. Eine chronische Herzinsuffizienz kann mit der Zeit zu einem völligen Versagen des Herzens und der Notwendigkeit einer Transplantation führen.
 
 

Prävention

Eine der Angina pectoris zu Grunde liegende Arteriosklerose kommt meist durch verschiedene Risikofaktoren zustande.

Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus

Negativen Einfluss haben

  • Fettreiche Ernährung

  • Bewegungsmangel
  • Stress

Der beste Beitrag zu einer wirkungsvollen Prävention (Vorbeugung) liegt also in einer Vermeidung der genannten Faktoren. (Siehe dazu den Punkt: „Was kann ich selbst tun?“)

In manchen Fällen wird der Arzt vorbeugend niedrig dosiertes ASS (Acethylsalicylsäure) als Dauertherapie verordnen. ASS verbessert die Fließeigenschaften des Blutes, so dass das Blut die engen Passagen in den Gefäßen besser passieren kann.

 
 

Was kann ich selbst tun?

An der Entstehung einer Arteriosklerose – als Auslöser einer Angina pectoris – sind verschiedene Faktoren beteiligt. Viele der Risikofaktoren (Siehe dazu den Punkt: „Prävention“) lassen sich durch eine gesunde Lebensweise vermeiden beziehungsweise vermindern.

So sinkt das Risiko an einer Angina pectoris zu erkranken, von dem Tag, an dem Sie mit dem Rauchen aufhören.

Durch eine vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung („Mittelmeerkost“) erreichen Sie gleich mehrere Ziele auf einmal: Sie vermeiden Übergewicht, der Fettstoffwechsel (Cholesterin) ist ausgeglichen und das Risiko an Bluthochdruck oder Diabetes zu erkranken, ist geringer. Mittelmeerkost besteht zu einem hohen Anteil aus pflanzlichem Fett (Olivenöl statt Butter oder Sahne), Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Salat, viel Fisch und weniger Fleisch.

Sollten Sie bereits an Bluthochdruck oder Diabetes mellitus erkrankt sein, ist es besonders wichtig, den vorgeschriebenen Medikamenten- und Ernährungsfahrplan einzuhalten.

Eine maßvolle, aber regelmäßige Bewegung – bevorzugt Ausdauersportarten wie Joggen, Walking oder Schwimmen – tragen in erheblichen Maß zu einer gesunden Lebensweise und damit zu einem verminderten Risiko, an Angina pectoris zu erkranken, bei.

Stress lässt sich nicht in allen Fällen vermeiden. Wichtig ist es also, den „richtigen“ Umgang mit Stress zu erlernen. Hier bieten sich verschiedene Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Ähnliches an. Ihr Arzt oder Ihre Krankenkassse wird Sie diesbezüglich beraten.