Was ist ein Herzklappenfehler? |
Die Herzklappen bestimmen die Richtung des Blutstroms und sind sozusagen die Ventile des Herzens. Als Segelklappen trennen sie die Vorhöfe von den Herzkammern und als Taschenklappen die Herzkammern von den Schlagadern. Sie bestehen aus Falten der Herzinnenhaut. Vergleichbar mit dem Herzschlag werden sie durch den zirkulierenden Blutstrom zirka 35-40 Millionen Mal pro Jahr geöffnet und geschlossen.
Bei Störungen der normalen Herzklappenfunktion kommt es entweder zu einem Blutstau vor der defekten Klappe oder zu einem Rückfluss des Blutes durch eine Klappe. Sie ist defekt und schließt nicht mehr richtig. Diese Störungen der Herzklappenfunktion können entweder angeboren sein oder durch Erkrankungen ausgelöst werden.
Vor allem zwei Erkrankungen können an den Herzklappen auftreten: Verengungen der Klappen (Stenosen) und Schwächen der Klappen (Insuffizienz). Die Verengung der Klappen geschieht bei Verkleben oder Verdickung der Herzklappen. Durch die Verengung muss das Herz natürlich mehr Kraft zur Entleerung aufwenden als normal. Die Klappeninsuffizienz, also die Schwäche, resultiert oftmals aus einer Erschlaffung des Gewebes, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder auf Grund rheumatischen Fiebers, eine allergische Reaktion des Körpers auf bestimmte Bakterien, wie zum Beispiel Streptokokken.
Laut der New York Heart Association (NYHA) gibt es vier verschiedene Stadien eines Herzklappenfehlers:
1. Stadium:
Der Herzklappenfehler ist zwar medizinisch nachweisbar (z.B. durch eine Herzkatheteruntersuchung), aber noch ohne Konsequenzen für den Betroffenen.
2. Stadium:
Erste Beschwerden treten auf (unter anderem Atemnot, Beinschwellungen), aber nur nach schwerer körperlicher Anstrengung.
3. Stadium:
Schon nach leichter körperlicher Anstrengung verspürt der Betroffene Beschwerden.
4. Stadium:
Der Betroffene leidet unter Atemschwäche auch im Ruhezustand auf Grund der Leistungsschwäche des Herzens.
Übrigens:
Wussten Sie, dass ein Herz bis zum 60. Lebensjahr durchschnittlich 2,5 Milliarden mal schlägt? Das macht die enorme Druckbelastung der Aortenklappe deutlich. So ist es auch kein Wunder, wenn fünf Prozent aller Aortenklappenfehler Folge dieser Verschleißerscheinungen sind.
Symptome |
Eine linksseitige Herzinsuffizienz äußert sich durch Atemnot, am Anfang nur bei Anstrengung, später auch im Ruhezustand. In chronischen Fällen wird die Atemnot zum Dauerzustand, verbunden mit trockenem Husten. In akuten schweren Fällen ist eine extrem starke Atemnot symptomatisch, bei der auch schaumig-blasiger Schleim aus dem Mund treten kann.
Bei rechtsseitiger Herzinsuffizienz schwellen die Beine, vor allem der Knöchelbereich, an. Wenn der Druck im Gewebe durch die Schwellung zu groß wird, kann das zum Austrocknen der Haut führen. Die Folge sind meist so genannte Stauungsekzeme, die sich zu schlecht heilenden Wunden weiterentwickeln.
Rechtsseitiges Herzversagen kann zu einer Blutstauung in den Organen führen, was wiederum zu Wasseransammlungen vor allem um die Leber und an der Pleura (dünne Schleimhaut, die die Lunge überzieht und den Brustkorb innen auskleidet) führt. Dabei kann sich der Bauchumfang wegen der Anschwellung der Bauchorgane vergrößern. Neben den Organfunktionen kann durch die Stauung auch die Atmung beeinträchtig werden.
Bei einer Aortenklappenverengung kann es bei Anstrengung zu Schwindel- und Ohnmachtsanfällen sowie Herzkrämpfen (Angina Pectoris) kommen. Im schlimmsten Fall können schwere Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) zum plötzlichen Herztod führen.
Ursachen |
Für die erworbenen Herzklappenfehler gibt es mehrere Ursachen:
Verkalkung
Zirka ein Drittel aller Herzklappenfehler sind auf Verkalkungen zurückzuführen. Grund hierfür sind der natürliche Alterungsprozess, ungeeignete Ernährung und unzureichende Bewegung. Die Klappe kann somit im Laufe des Lebens verhärten (Sklerose) und verkalken. Sie wird dadurch steif und unbeweglich. Häufig lassen sich auch eine Verkleinerung und Verwachsungen der Klappensegel beobachten. Die Klappe öffnet sich dann nur noch ungenügend. Die häufigste Ursache für eine Aortenklappenstenose ist die Sklerose.
Herzinnenhautentzündung
Eine Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) ist seltener die Ursache für erworbene Klappenfehler. Häufigster Auslöser für die Endokarditis ist das rheumatische Fieber. Durch eine allergische Reaktion des Körpers auf bestimmte Bakterien, wie zum Beispiel Streptokokken kann es zu Entzündungen der Gelenke, der Haut und auch der Herzinnenhaut kommen. Betroffen dadurch sind hauptsächlich mechanisch beanspruchte Klappen, wie die Aorten- und die Mitralklappe.
Durch eine bakterielle Entzündung kann es an den Klappen zu einer bindegeweblichen Umwandlung mit Narbenbildung kommen. Bakterien, wie Staphilokokken, werden durch das Blut eingeschleppt und siedeln sich direkt an der Klappe an (Die Bakterien sind in der Blutkultur nachweisbar). Die Folge ist eine Klappenstenose. Symptomatisch sind unregelmäßige heftige Fieberattacken ("unklares Fieber"). Die Bakterien zerstören die Klappen, indem sich Perforationen und Risse bilden. Diese führen zu einer eingeschränkten Funktion der Klappen.
Die Klappensegel und Klappentaschen sind Teile der Herzinnenhaut. Ist die Herzinnenhaut entzündet, können die Klappensegel und Klappentaschen anschwellen und miteinander verkleben. Die Herzklappe ist dadurch verengt. Auch können sich in den Klappensegel und -taschen Löcher bilden und sie können schrumpfen. Dadurch wird der Klappenschluss undicht. Einen ähnlichen Effekt hat das Schrumpfen, Verkleben oder Reißen der Sehnenfäden, die sich an den Klappensegeln befinden.
Neben dem rheumatischen Fieber kann eine Endokarditis auch durch eine Sepsis (Blutvergiftung) verursacht werden.
Herzinfarkt
Auch beim Herzinfarkt werden meist die Herzklappen in Mitleidenschaft gezogen. Durch Haltemuskeln (Papillarmuskeln) werden die Klappensegel der Vorhof-Kammer-Klappen (Mitralklappe/Trikuspidalklappe) vor dem Durchschlagen gehindert, wenn sich die Kammern anspannen. Diese kleinen Muskelfasern können durch einen Herzinfarkt zerstört werden und einen Riss erleiden. Sie sterben langsam ab (Nekrose). Außerdem besteht auch die Gefahr einer Klappenringüberdehnung. Auch hier wird die Klappe undicht (Mitralinsuffizienz).
Wann ist ein Arzt aufzusuchen? |
Schwellungen der Beine, vor allem im Knöchelbereich, sind Anzeichen einer eingeschränkten Funktion des Herzens. Durch den Druck im Gewebe an den geschwollenen Stellen kann die extrem trocken werden. Dies führt eventuell zu so genannten Stauungsekzemen, die sich zu Wunden weiterentwickeln und schlecht heilen. Durch einen frühen Besuch eines Arztes Ihres Vertrauens können diese Unannehmlichkeiten vermieden oder gestoppt werden.
Warten Sie nicht, bis eine Blutstauung in den Organen zu Wasseransammlungen führt und sich der Bauchumfang durch die Anschwellung der Bauchorgane vergrößert. Unter diesen Umständen ist die Atmung extrem eingeschränkt.
Je schlimmer ein Herzklappenfehler, umso eher kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen, die letztendlich zum plötzlichen Herztod führen können.
Diagnose |
- Elektrokardiogramm (EKG), das zum Beispiel auf Herzrhythmusstörungen als Folge eines Herzklappenfehlers hindeutet.
- Ultraschalluntersuchung (Echokardiogramm) erlaubt die Beurteilung des Klappenfehlers selbst und der Folgen, der Herzgröße und -funktion. Die Platzierung der Ultraschallsonde in der Speiseröhre (transösophageale Echokardiographie) erlaubt eine noch bessere Beurteilung des Klappenfehlers.
- Röntgen macht Auswirkungen einer Herzmuskelschwäche infolge eines Klappenfehlers sichtbar. Liegt danach ein Befund vor, wird der Schweregrad eines Herzfehlers durch eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt.
- Herzkatheteruntersuchung dient der genauen Beurteilung der Herzleistung und dem Nachweis von Verengungen der Herzkranzgefäße. Wichtig: Hierbei kann auch eine koronare Herzkrankheit als Ursache für die Beschwerden ausgeschlossen oder bestätigt werden.
Behandlung |
Reichen zur Behandlung der Herzinsuffizienz körperliche Schonung und Medikamente nicht aus, ist die Funktionsfähigkeit der betroffenen Klappe durch eine Operation wieder herzustellen. Die Art der Operation (am offenen Herzen oder durch Schlüssellochoperation) wird der Arzt mit Ihnen besprechen. Je nach befallener Klappe, Untersuchungsbefund und Ausprägung des Herzklappenfehlers werden unterschiedliche Behandlungsverfahren angewendet:
- Operation mit Erhalt der körpereigenen Klappe
- Klappenersatz mit mechanischen Klappen aus Metall beziehungsweise Kunststoff oder biologischen Klappen, zum Beispiel vom Schwein. Bei mechanischen Klappen muss nach der Operation lebenslang das Blut verdünnt werden, um die Bildung von Blutgerinnseln an der künstlichen Klappe zu verhindern. Einige Herzchirurgen wenden daher diese Methode nur noch sehr selten an.
- Ist keine Operation möglich ist, können Klappenverengungen im Rahmen der Herzkatheter-Untersuchung gesprengt werden.
Ist der Herzfehler angeboren, handelt es sich meistens um eine Verengung der Herzklappe (Klappenstenose). Entweder ist die ganze Klappe zu klein oder der anliegende Teil des Herzens beziehungsweise Hauptschlagadern. Bei zirka zehn Prozent aller angeborenen Herzfehlbildungen ist die Einengung (Stenose) der Lungenschlagaderklappe (angeborene Pulmonalstenose) zu beobachten. Je nach Schweregrad werden angeborene Herzklappenfehler entweder schon im Säuglingsalter mit hohem Risiko operativ behandelt oder erst im Vorschulalter mit vergleichsweise niedrigem Risiko.
Bevorstehende Operationen am Herzen rufen bei vielen Menschen Ängste hervor, obwohl der medizinische Fortschritt Risiken deutlich vermindern konnte. Informieren Sie sich in einem spezialisierten Zentrum genau über alle Einzelheiten des Eingriffs, der bei Ihnen geplant ist.
Nicht jeder Herzklappenfehler muss operiert werden. Diese Entscheidung richtet sich nach dem Schweregrad der Atemnot.
Komplikationen |
Chronische Stauungen (Wasseranlagerungen) in den verschiedenen Körperorganen können zu dauerhaften Schäden führen wie Leberzirrhose oder Nierenschwäche.
Kommt es zu extremen Blutstauungen in den Lunge (zum Beispiel bei Verengungen oder Undichtigkeiten der Mitral- und Aortenklappe), kann die Wasseransammlung im Lungengewebe ein solches Ausmaß annehmen, bis Gewebswasser in die Lungenbläschen übertritt. Damit können die mit Flüssigkeit gefüllten Lungenbläschen keinen Sauerstoff mehr aufnehmen oder Kohlendioxyd abgeben. Es droht die innere Erstickung.
Behindert eine extreme Blutstauung vor der rechten Vorkammer den Abfluss des Gewebswassers aus dem Brustraum, kann es zum Austritt von Wasser in die Brusthöhle (Pleuraerguss) kommen. Der Pleuraerguss deutet auf einen schweren Herzklappenfehler hin. Darüber hinaus ist er gefährlich, weil das Wasser die Lungen zusammendrücken und daher deren Funktion schädigen kann.
Das Auftreten von Herzrhythmusstörungen im Zusammenhang mit einem Herzklappenfehler zeigt deutlich ein schweres Ausmaß des Klappenfehlers. Unter diesen Umständen können ventrikuläre Rhythmusstörungen lebensbedrohlich werden. Bei verschiedenen Klappenfehlern führt das Auftreten von Vorhofflimmern zu einer Verschlechterung der Herzleistung und damit zur Zunahme von Beschwerden wie Luftnot.
Eine lebensbedrohende Gefahr stellt auch das Auftreten von Ohnmachtsanfällen infolge von Herzklappenfehlern dar. Während des Ohnmachtsanfalles kann es zu schweren oder tödlichen Begleitverletzungen kommen, große Gefahr droht auch im Straßenverkehr. Die Ohnmachtsanfälle sind die Folge einer schweren Sauerstoff-Versorgungsstörung des Gehirns. Jeder dieser Anfälle kann tödlich enden oder schwere Folgeschäden haben.
Ganz allgemein gilt, dass die Lebenserwartung von Menschen, die infolge eines Herzklappenfehlers einen Ohnmachtsanfall erleiden, ohne weitere Behandlung stark verkürzt ist.
Prävention |
In der Regel wird den Patienten nach einer Klappenoperation ein Herzpass ausgestellt, der zum Schutz vor neuen Infektionen die notwendigen medikamentösen Sofortmaßnahmen beschreibt.
Weitere vorbeugende Maßnahmen sind:
- das Rauchen zu stoppen oder stark zu reduzieren,
- sich fettarm mit viel Gemüse zu ernähren,
- bei Übergewichtigkeit abzunehmen,
- sich regelmäßig zu bewegen,
- einen Diabetes mellitus oder erhöhte Blutcholesterinwerte gewissenhaft zu behandeln,
- zuverlässig verordnete Medikamente einzunehmen.
Was kann ich selbst tun? |
Jede bakterielle Infektion muss sofort mit einem Antibiotikum behandelt werden, ebenso jede eitrige Wunde auf der Haut oder in der Mundhöhle.
Sie sollten darauf achten,
- das Rauchen zu stoppen oder stark zu reduzieren,
- sich fettarm mit viel Gemüse zu ernähren,
- bei Übergewichtigkeit abzunehmen,
- sich regelmäßig zu bewegen,
- einen Diabetes mellitus oder erhöhte Blutcholesterinwerte gewissenhaft zu behandeln,
- zuverlässig verordnete Medikamente einzunehmen.