Hyperpolaktinämie

Was ist eine Hyperprolaktinämie?

Eine Hyperprolaktinämie ist eine krankhafte Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut.

Prolaktin ist ein Hormon. Es wird in einem Teil des Gehirns gebildet, den man Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) nennt. Prolaktin steuert indirekt den weiblichen Zyklus und regelt die Milchproduktion in der Stillzeit. Prolaktin kommt aber auch im männlichen Körper vor und ist hier für die Fruchtbarkeit verantwortlich.

Frauen in der Schwangerschaft, im Wochenbett und während der Stillzeit haben ebenfalls einen erhöhten Prolaktinspiegel. Doch das ist ganz normal und wird nicht behandelt.
 
 

Symptome

Die Symptome einer Hyperprolaktinämie sind bei Frauen und Männern ganz unterschiedlich.

Männer verlieren nicht nur die Lust auf körperliche Liebe, sondern auch die Potenz. Sekundäre Geschlechtsmerkmale wie Bartwuchs und Schambehaarung bilden sich zurück. Dafür wächst die Brustdrüse. In seltenen Fällen sondert sie sogar eine milchartige Flüssigkeit ab. Je nach Ursache der Hyperprolaktinämie verkleinert sich das Gesichtsfeld, was bei vielen Betroffenen der Grund für den Arztbesuch ist.

Bei Frauen wird der Zyklus unregelmäßig und bleibt sogar ganz aus. Bei 70 Prozent der Patientinnen ist zudem eine Milchproduktion nachweisbar. Außerdem kommt es manchmal zu einer gewissen „Vermännlichung“. Das heißt die betroffenen Frauen weisen einen vermehrten Haarwuchs im Körperbereich auf. Ihre Haut produziert mehr Talg und es tritt Akne auf. Das liegt daran, dass durch den ausbleibenden Zyklus weniger weibliche Hormone im Körper gebildet werden. Dafür stimuliert Prolaktin die Nebennierenrinde, die männliche Hormone produziert. Entsprechend kann bei einigen Hyperprolaktinämie-Patientinnen eine Atrophie (Auszehrung) der Scheidenschleimhaut und eine verringerte Knochendichte festgestellt werden, normalerweise typische Beschwerden bei Frauen jenseits der Wechseljahre.
 
 

Ursachen

In vielen Fällen geht die gesteigerte Produktion von Prolaktin auf einen Tumor der Hirnanhangsdrüse zurück, der das Hormon produziert. Einen solchen Tumor nennt man Prolaktinom. Aber auch Erkrankungen wie eine Unterfunktion der Schilddrüse, eine Leberzirrhose, Nierenversagen, eine Störung von Hypothalamus/Hypophyse sowie bestimmte Medikamente können die Ursache sein
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Viele der Beschwerden, die eine Hyperprolaktinämie mit sich bringt, werden die betroffenen Patientinnen und Patienten alsbald dazu bewegen, zum Arzt zu gehen. So möchten die meisten jungen Frauen mit Kinderwunsch, bei denen die Regel ausbleibt und sich entsprechend keine Schwangerschaft einstellt, wissen, woran das liegt. Mit Hilfe einer geeigneten Therapie lässt sich dieses, wie auch alle anderen Symptome, in vielen Fällen in den Griff kriegen. Daher sollten Sie den Weg zum Arzt nicht scheuen, sobald Sie unter den beschriebenen Störungen leiden.
 
 

Diagnose

Hegt der Arzt auf Grund bestimmter Symptome den Verdacht, dass sein Patient beziehungsweise seine Patientin an einer Hyperprolaktinämie leiden könnte, wird er das Blut auf einen erhöhten Prolaktinspiegel untersuchen lassen. In der Regel kontrolliert er die Werte zwei Mal, da sie häufig schwanken können. Bereits der durch die Untersuchung entstehende Stress verfälscht manchmal das Ergebnis.

Bringt die Blutuntersuchung deutlich erhöhte Prolaktinwerte zu Tage, muss nach den Ursachen geforscht werden. Der Arzt wird mit Hilfe einer weiteren Blutuntersuchung abklären, ob nicht zum Beispiel eine Unterfunktion der Schilddrüse vorliegt. Außerdem muss er die Einnahme bestimmter Medikamente ausschließen, die die Prolaktinwerte beeinflussen könnten.

Sind diese Fragen geklärt, benötigt man die Hilfe Bild gebender Diagnose-Verfahren wie zum Beispiel die Kernspintomographie. Sie zeigen, ob im betreffenden Fall ein Prolaktinom die Wurzel des Übels ist, seine Größe und wo es liegt. Man unterscheidet je nach Ausdehnung zwischen Mikroprolaktinom und Makroprolaktinom. Das Mikroprolaktinom tritt vor allem bei Frauen auf. Das Makroprolaktinom kommt bei Frauen wie bei Männern vor. Es wuchert in umgebendes Hirngewebe hinein und verursacht so mitunter eine Verkleinerung des Gesichtsfeldes, Lähmungen des Augenmuskels, Kopfschmerzen und andere neurologische Ausfälle.
 
 

Behandlung

Die Behandlung der Hyperprolaktinämie richtet sich nach ihrer Ursache. Bei einem Prolaktinom hat sich die Gabe so genannter Dopaminagonisten bewährt. Sie födern die Dopaminproduktion. Dopamin wiederum reduziert die Ausschüttung von Prolaktin. Die Folge: Die Prolaktin-Konzentration sinkt deutlich. Bei rund 70 Prozent der Patienten schrumpft das Prolaktinom spürbar. Nicht selten beobachten die Betroffenen an sich bereits nach einigen Tagen eine deutliche Besserung der Symptome. Trotzdem kann von Fall zu Fall die Einnahme von Geschlechtshormonen sinnvoll sein.

Sollte sich jedoch durch die Einnahme eines Dopaminagonisten kein Behandlungserfolg einstellen, kann es nötig sein, das Prolaktinom chirurgisch zu entfernen. Bringt auch dies nicht den gewünschten Effekt, steht die Strahlentherapie zur Verfügung. Allerdings bringt sie so starke Nebenwirkungen mit sich, dass sie eher zögerlich eingesetzt wird. So können weitere Funktionen der Hirnanhangsdrüse ausfallen und der Prolaktinspiegel normalisiert sich erst nach Jahren.
 
 

Komplikationen

Bei Frauen kommt es infolge der Hyperprolaktinämie zu Zyklusstörungen. In einigen Fällen kann die Menstruation ganz ausbleiben. Die betroffenen Frauen sind unfruchtbar. Bei Männern führt der Prolaktinüberschuss auf Dauer zu einem Mangel an Testosteron, Hypogonadismus genannt, und zu Impotenz.
 
 

Prävention

Da die meisten Ursachen für eine Hyperprolaktinämie im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen nicht auf das Konto falscher Lebensführung gehen, sind nach heutigen Erkenntnissen keine geeigneten Vorbeugungsmaßnahmen bekannt. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung, der Verzicht auf Nikotin und nicht allzu viel Alkohol sind jedoch Maßnahmen, die Ihr Körper Ihnen in jedem Fall danken wird.
 
 

Was kann ich selbst tun?

Konkrete Maßnahmen der betroffenen Patienten, die den Therapieerfolg sichern helfen, sind bislang nicht bekannt. Aber grundsätzlich, das gilt im Übrigen für jede andere Therapie ebenso, ist es sehr wichtig, dass Sie „mitmachen“. Das bedeutet, dass Sie verschriebene Medikamente in der Dosis und im Zeitabstand genauso einnehmen, wie Ihr Arzt es Ihnen erklärt hat und dass Sie sich auch sonst so verhalten, wie es Ihnen empfohlen wurde.