Eierstockkrebs

Was ist Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)?

Eine bösartige Geschwulst (Karzinom) am Eierstock (Ovar) wird als Eierstockkrebs bezeichnet. Sie wächst rasch und neigt dazu, schnell Tochtergeschwülste, so genannte Metastasen zu bilden. Es gibt – histologisch gesehen – drei Formen des Eierstockkrebses: den mucinösen, den endometrialen und den serösen Krebs. Die Unterteilung richtet sich also danach, welche Zellen entarten.

Eierstockkrebs ist im Vergleich zu Krebsarten wie zum Beispiel Brust- oder Lungenkrebs recht selten. Betroffen sind vor allem Frauen jenseits des 40. Lebensjahres. Die meisten von ihnen haben die Menopause hinter sich gebracht und befinden sich im siebten oder achten Lebensjahrzehnt.
 
 

Symptome

Das besonders Tückische an dieser Erkrankung ist, dass sie lange keinerlei Beschwerden bereitet und sich in aller Stille ausbreiten kann.

Erste Hinweise wie Schmerzen im Unterbauch oder Verstopfung sind eher uncharakteristisch. Manchmal treten bei den Patientinnen, die überwiegend die Wechseljahre schon hinter sich gebracht haben, wieder Blutungen auf, die an die Regel denken lassen. Ist die Krankheit bereits weit fortgeschritten, wächst der Leibesumfang der betroffenen Frauen. Das hat mit einer Zunahme des Körpergewichts nichts zu tun – im Gegenteil, manchmal kommt es zusätzlich sogar zu Gewichtsverlust. Vielmehr lässt Flüssigkeit, die sich in der Bauchhöhle sammelt (Azites), Röcke und Hosen in der Taille spannen.
 
 

Ursachen

Die Ursachen der Erkrankung kennt man derzeit noch nicht. Aber es gibt durchaus den einen oder anderen Hinweis auf Risikofaktoren. So vermutet man eine Beteiligung der Gene am Krankheitsgeschehen. Denn man hat beobachtet, dass Eierstockkrebs familiär gehäuft auftritt. Inzwischen geht man davon aus, dass zirka zehn Prozent der Eierstockkrebse genetisch bedingt sind. Forscher fanden heraus, dass Mutationen in den „Brustkrebsgenen“ BCRA 1 und BCRA 2 beteiligt sind. Frauen, in deren Familie anlagebedingter Eierstockkrebs vorkommt, haben ein 60prozentiges Risiko auch zu erkranken. Nicht geklärt ist indessen, ob beziehungsweise welche Mutationen Brust- oder Eierstockkrebs oder beides auslösen.

Für die Vermutung, dass auch der sich ständig wiederholende Eisprung mit der Erkrankung zusammenhängt, spricht die Tatsache, dass Eierstockkrebs oft bei Frauen auftritt, die niemals schwanger waren beziehungsweise niemals die „Pille“ nahmen. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Schadstoffe zusätzlich eine Rolle spielen.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Sobald Sie Beschwerden im Unterleib verspüren, sollten Sie sich zum Arzt begeben. Denn es ist wichtig, so früh wie möglich mit der Diagnostik zu beginnen. Zwar verbirgt sich nur hinter einem gewissen Teil der Unterleibsprobleme tatsächlich eine Krebserkrankung. Doch es ist wichtig, rechtzeitig Klarheit darüber zu gewinnen, damit im Fall der Fälle die Therapie möglichst rasch beginnen kann.
 
 

Diagnose

Die Diagnostik beginnt nach der Befragung der Patientin zu Art und Dauer der Beschwerden sowie zu Vorerkrankungen grundsätzlich mit einer gynäkologischen Untersuchung. Der Arzt untersucht die Eierstöcke außerdem per Ultraschall über die Bauchdecke und über die Scheide (Vagina).

Eine Computer- und eine Kernspintomographie geben weiteren Aufschluss – zum Beispiel über mögliche Metastasten. Sie machen jedoch nur Sinn, wenn die vorherigen Untersuchungen den Krebsverdacht erhärtet haben. In diesem Zusammenhang werden auch die so genannten Tumormarker bestimmt. Das sind Substanzen, meist Zucker-Eiweiß-Moleküle, die bei Krebserkrankungen im Blut oder in anderen Körperflüssigkeiten erstmals oder in größerer Menge nachweisbar sind. Sie spielen allerdings für die eigentlich Diagnosestellung eine eher untergeordnete Rolle, dienen Sie doch vor allem der „Verlaufskontrolle“. Sinken die Tumormarker, spricht dies für eine erfolgreiche Therapie. Steigen sie nach Abschluss der Therapie wieder an, kann das ein Hinweis auf einen Rückfall (Rezidiv) sein.

Eine sichere Krebsdiagnose ist ohnehin erst nach der histologischen Untersuchung möglich. Das bedeutet, dass die Zellen des operativ entfernten verdächtigen Gewebes unter dem Mikroskop auf ihre mögliche Entartung geprüft werden.
 
 

Behandlung

Chemotherapie, Strahlentherapie und Operation, das sind die Therapieverfahren, die bei einem Eierstockkrebs zur Verfügung stehen.

In der Regel wird zunächst der Tumor per Operation entfernt. Eine daran anschließende Chemotherapie soll eventuell verbliebene Tumorzellen zerstören. Doch generell werden die Behandlungswege individuell für jede Patientin festgelegt. Das Tumorstadium gibt dabei die Marschroute an. Während der Operation entfernt der Operateur in der Regel beide Eierstöcke, die Gebärmutter und einen Teil des Bauchfells, das so genannte große Netz.

Da bei den meisten Patientinnen der Krebs nicht im Anfangsstadium entdeckt wird, reicht eine Operation allein nicht aus. Es könnten noch Krebszellen im Körper verblieben sein, oder es ließen sich gar nicht erst alle Krebszellen operativ beseitigen. Da Eierstockkrebs glücklicherweise sehr sensibel auf Chemotherapeutika reagiert – also Medikamente, die die Krebszellen angreifen –, bietet es sich an, möglichst bald nach der Operation entsprechende Medikamente zu verabreichen.

Auch die Strahlentherapie gilt als wirksames Mittel gegen Eierstockkrebs. Dennoch haben inzwischen neue Chemotherapien die Strahlentherapie etwas in den Hintergrund gedrängt. So kommt sie meist nur dann zum Einsatz, wenn eine Chemotherapie nicht angebracht ist oder von der betroffenen Patientin abgelehnt wird. Auch wenn die Patientin nach einer intensiven Chemotherapie einen Rückfall erleidet, muss auf die Strahlentherapie zurückgegriffen werden.

In jüngster Zeit prüft die Wissenschaft zudem, inwieweit beim frühen Auftreten von Rückfällen Hormontherapien greifen.
 
 

Komplikationen

Leider wächst Eierstockkrebs lange Zeit im Verborgenen. Wenn er dann Beschwerden bereitet und die eingeleitet Diagnostik ihn zutage befördert, hat er sich in vielen Fällen schon im Bauchraum ausgebreitet oder bereits die Lunge befallen. Das mindert natürlich die Heilungschancen ganz erheblich.
 
 

Prävention

Wirksame vorbeugende Maßnahmen gegen Eierstockkrebs sind bislang nicht bekannt. Auch eine anerkannte Screening-Untersuchung, die die zuverlässige Früherkennung von Eierstockkrebs verspricht, gibt es derzeit nicht.

Die einzige Ausnahme bildet der familiär bedingte Eierstockkrebs. Genträgerinnen, die noch nicht erkrankt sind und die ihre Familienplanung bereits abgeschlossen haben, können sich vorbeugend die Eierstöcke entfernen lassen. Wie sinnvoll eine solche Maßnahme wirklich ist, muss natürlich in jedem einzelnen Fall ganz individuell entschieden werden.
 
 

Was kann ich selbst tun?

Grundsätzlich gilt: Bei Beschwerden sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto früher kann die Therapie beginnen.

Wichtig ist außerdem, dass Sie Ihrem Körper ganz allgemein etwas Gutes tun: Verzichten Sie auf Zigaretten, trinken Sie möglichst wenig Alkohol, essen Sie vitaminreich und ausgewogen. Das schützt Ihre Gesundheit und stärkt die Körperabwehr – ist also das beste Mittel gegen jedwede Erkrankung.