Hodenentzündung

Was ist eine Hodenentzündung?

Unter einer Hodenentzündung (Orchitis) wird eine meist durch Viren oder Bakterien ausgelöste akute oder chronische Infektionskrankheit verstanden. Die häufigsten Auslöser der Krankheit sind Mumps-Viren, denn jeder dritte erwachsene Mann, der an Mumps mit einer Anschwellung der Ohrspeicheldrüsen erkrankt, entwickelt zusätzlich eine ein- oder beidseitige Hodenentzündung.
 
 

Symptome

Weil die Hodenentzündung meist eine Begleiterkrankung ist, machen sich die Symptome erst einige Tage nach dem Beginn der Grundinfektion bemerkbar. Sie treten in Form von starken Schmerzen in dem betroffenen Hoden auf und gehen meist auf den Nachbarhoden über. Es entsteht in der Regel eine Schwellung von Hoden und Nebenhoden, während die Haut über dem Hoden gerötet und warm ist.

Auch brennende Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder Blut im Urin sind Anzeichen dieser Erkrankung. Eine Hodenentzündung kann mit sehr hohem Fieber verbunden sein, welches sich aber nicht immer von der Grunderkrankung abgrenzen lässt. Die Symptome halten meist über eine Woche an.
 
 

Ursachen

Ausgelöst wird eine Hodenentzündung durch eine von Bakterien oder Viren verursachte Infektion. Vermutlich gelangen diese Erreger vom ursprünglichen Infektionsort über das Blut zu den Hoden.

Wie bereits erwähnt, ist Mumps in den meisten Fällen der Grund für Hodenentzündungen bei jungen Männern. Andere auslösende Krankheiten sind Tripper, Syphilis, eine Urogenitaltuberkulose oder das Übergreifen auf die Nebenhoden. Auch Verletzungen können Ursachen sein.

Sehr selten wird die Krankheit durch eine Autoimmunreaktion des Körpers verursacht. Dabei bildet der Körper Antikörper, die das Gewebe eines Hoden zerstören. Beobachtet wurde diese Reaktion bisher nur bei Männern zwischen 60 und 70 Jahren.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Wenn Sie nach Ablauf der Pubertät an Mumps erkranken, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Krankheit behandeln zu lassen und somit folgenschwere Komplikationen wie eine Hodenentzündung zu vermeiden.

Leiden Sie unter Beschwerden wie Fieber, Rötung und Schwellung der Hoden sowie Schmerzen, ist ein Arztbesuch dringend anzuraten, da diese Anzeichen auf eine beginnende Hodenentzündung hinweisen können.
 
 

Diagnose

Schmerzen im Hoden bei einer bestehenden Grunderkrankung oder das Auftreten von typischen Symptomen, die auf eine akute Infektion deuten, geben dem Arzt bereits eindeutige Hinweise.
Mittels einer Blutuntersuchung kann die Diagnose gesichert werden, wenn diese eine Erhöhung der Entzündungswerte ergibt.

Weil eine alleinige Untersuchung durch abtasten des Hodens nicht hundertprozentig auf eine Hodenentzündung schließen lässt, wird zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung vorgenommen. Sehr selten muss der Hoden operativ freigelegt werden, um die Diagnose zu bestätigen.
 
 

Behandlung

Während einer Hodenentzündung wird grundsätzlich Bettruhe empfohlen, häufig auch das Tragen eines hochlagernden Tragebeutels (Suspensorium), um den geschwollenen Hodensack zu halten. Unterstützend können antientzündliche Schmerzmedikamente eingenommen werden.

Bei einer bakteriellen Entzündung ist eine Antibiotika-Therapie die Behandlungsmethode der ersten Wahl. Ist Mumps die Ursache der Erkrankung, helfen Antibiotika nicht. Der Arzt kann Männern, die noch nie Mumps hatten, bestimmte Antikörper spritzen, die in einigen Fällen die Gefahr einer Hodenentzündung herabsenken.

Kommt es zu einer Stauung der Blutzufuhr und einem daraus resultierenden Druck im Gewebe, muss so schnell wie möglich die Hodenhülle eingeschnitten werden, um eine Druckentlastung zu erreichen. Diese Methode sollte auch erfolgen, wenn sich durch die Entzündung eitrige Abszesse im Hodengewebe gebildet haben.
 
 

Komplikationen

Eine Hodenentzündung birgt die Gefahr, dass Hodengewebe durch die entzündlichen Prozesse und dem Druck, der zwangsläufig durch die Schwellung entsteht, zerstört wird. Dadurch kann es zu einer Verminderung von Keimgewebe im Hoden kommen, was zu einer Unfruchtbarkeit führen kann, wenn beide Hoden betroffen sind.

Auf Grund der räumlichen Nähe geht die Entzündung oft vom Hoden auf den Nebenhoden und die Hodenhülle über. Handelt es sich um eine bakterielle, meist eitrig verlaufende Infektion, kommt es häufig zu sich in den Hodenhüllen ansammelnden Eiter.
Durch diesen Vorgang können sich Abszesse bilden. Unbehandelt führt der Abszess zu einem dünner werden der Hodenhaut, bis der Abszess durchbricht. Tritt dies ein, muss der Hoden entfernt werden. Im frühen Stadium kann ein Abszess jedoch entleert werden.

Etwa bei der Hälfte der Patienten ist der Schwund des Hodengewebes eine Folge der Erkrankung. Dies muss nicht zwingend eine Unfruchtbarkeit nach sich ziehen.

Ist die Schwellung sehr ausgeprägt, kommt es in manchen Fällen zu einer Einklemmung des Hodens innerhalb seiner eigenen Hülle (Kompartmentsyndrom). Es entsteht eine Druckerhöhung und somit eine Abschnürung der Blutzufuhr. Diese Minderversorgung stellt einen absoluten Notfall dar. Wird sie nicht umgehend behandelt, kann eine Hodenrückbildung die Folge sein.
 
 

Prävention

Mittlerweile ist es möglich Kindern im Alter von 15 Monaten eine Kombinationsimpfung gegen Mumps, Masern und Röteln und damit einen wirkungsvollen Schutz gegen eine Hodenentzündung zu bieten. Auch Einzelimpfungen gegen Mumps sind möglich.

Impfungen lösen heute keinen keine schweren Krankheiten mehr aus, regen den Körper jedoch zur Bildung von Antikörpern an. Diese bieten einen lang anhaltenden Schutz vor einer derartigen Infektion.
 
 

Was kann ich selbst tun?

  • Wenn Sie unter einer Hodenentzündung leiden, ist es wichtig, Bettruhe einzuhalten.
  • Tragen Sie einen hochlagernden und unterstützenden Tragebeutel (Suspensorium). Er hilft Ihnen, den geschwollenen Hodensack zu unterstützen.
  • Es kann nicht schaden antientzündliche Schmerzmedikamente einzunehmen.