Depression

Was ist Depression?

 
Jeder Mensch unterliegt Stimmungsschwankungen. Mal überwiegt die Freude, mal das Leid, mal erscheint das Leben eintönig. Menschen können bedrückt, niedergeschlagen oder traurig reagieren, aber normalerweise kommt nach dem Regen wieder der Sonnenschein. Nicht so bei Patienten, die unter Depressionen leiden.

Depression ist die drastische Veränderung von Stimmung und Unternehmungslust zum Negativen hin. Depression äußert sich bei jedem Menschen unterschiedlich. Es gibt nicht eine typische Form der Depression, sondern viele verschiedene Symptome, die in den unterschiedlichsten Kombinationen vorhanden sein können. In der Regel werden verschiedene Depressionsformen nach Schweregrad und Anzahl der Symptome folgendermaßen beschrieben:
  • Leichte Depressionen äußern sich durch einige nicht allzu stark ausgeprägte Symptome und sind gut und schnell zu bewältigen. Ohne Behandlung können sie sich jedoch leicht zu mittelschweren Depressionen entwickeln
  • Mittelschwere Depressionen zeichnen sich durch ein breiteres Spektrum an Symptomen und Problemen bei der Bewältigung des Berufs- oder Privatlebens aus.
  • Schwere Depressionen sind eine ernsthafte Krankheit. Sie bereiten dem Betroffenen große Schwierigkeiten, alltägliche Lebenssituationen zu meistern.
Die Symptome entwickeln sich manchmal rasch, manchmal schleichend über Monate hinweg. Die Patienten fühlen sich oft nicht krank, sondern eher unfähig. Durch die Tatsache, dass sie sich auf ihre körperlichen Symptome konzentrieren, führen sie ihre Krankheit häufig auf organische Beschwerden zurück. Medizinisch gesehen ist die Depression ein diagnostisch unspezifischer Begriff für Störungen im affektiven Bereich, also der Gefühlsansprechbarkeit des Menschen. Dabei können Zeitabschnitte von Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und bedrückter Stimmung eintreten, die über ein vertretbares Maß hinausgehen. Diese niedergedrückte Stimmung bleibt häufig ungewöhnlich lange bestehen und ist durch den Betroffenen selbst nicht mehr vollständig kontrollierbar.
 
 

Symptome

 
 
Depressive Menschen leiden häufig unter massiven Selbstvorwürfen und unter extremen Minderwertigkeitsgefühlen, verbunden mit einer Abkapselung nach außen. Es treten Gefühle der Leere und Sinnlosigkeit auf, die häufig mit Angst, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen (auch zu viel Schlaf ist möglich), Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust oder Esslust und Gewichtszunahme verbunden sind. Häufig leiden depressiv Erkrankte an mangelnder Konzentrationsfähigkeit, Interesselosigkeit und Bewegungsmangel.

Bei einer Depression kommen mehrere Krankheitsmerkmale zusammen. Fachleute sprechen in der Regel von einem depressiven Syndrom.

Die häufigsten Merkmale einer Depression zusammengefasst:
  • Appetitlosigkeit
  • Innere Unruhe und Schlafstörungen
  • Fehlende Lebensfreude
  • Innere Leere und Traurigkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schwindendes Interesse
  • Konzentrationsschwäche
  • Unentschlossenheit
  • Schuldgefühle
  • Selbstanklagen
  • Gestörte Wahrnehmung (alles ist negativ)
  • Körperliche Beschwerden und Missbefinden
  • Rückzug aus dem sozialen Umfeld
  • Gedanken an Selbstmord
Alle Symptome können sich allmählich (über Wochen und Monate) oder auch sehr rasch (in Tagen oder gar Stunden) entwickeln. Bisweilen vollzieht sich die Änderung sogar schlagartig. Viele depressive Patienten beachten nur die körperlichen Symptome und vermuten hinter den Beschwerden organische Ursachen. Andere halten sich nicht für krank, was sie definitiv sind, sondern für Versager.
 
 

Ursachen

Bei den verschiedenen Formen von depressiven Erkrankungen kommen einzelne Faktoren unterschiedlich stark zum Tragen. Familienuntersuchungen ergaben, dass bei einigen Formen der Depression auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. So haben Familienmitglieder von Erkrankten ein deutlich erhöhtes Risiko, ebenfalls an dieser Art von Depression zu erkranken. Bei eineiigen Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit sogar bei bis zu 65 Prozent.

Außerdem gehen Experten davon aus, dass die Konzentration der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin bei depressiven Erkrankungen im Gehirn ein Stoffwechsel-Ungleichgewicht verursachen. Zudem haben Depressive nicht selten einen erhöhten Kortisonspiegel, was auf eine Störung der vom Hirn gesteuerten Hormonregulation hindeutet.

Verschiedene biologische Rhythmen spielen ebenfalls eine Rolle. Dies zeigt sich am gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus von Depressiven, an ihren tageszeitlichen Stimmungsschwankungen und bei der so genannten Herbst-Winter-Depression. Ebenso begünstigen einige körperliche Erkrankungen und auch Medikamente die Entstehung einer Depression.

Psychologische Auslösefaktoren sind belastende Lebensereignisse und länger andauernde Konfliktsituationen. Die Psychoanalyse depressiver Menschen ergibt nicht selten eine Störung in der Mutter-Kind-Beziehung beziehungsweise Eltern-Kind-Beziehung mit Verlust des Selbstwertgefühls. Kinder, die ständig unter Druck stehen („du musst bessere Noten schreiben“, „du musst die Schule schaffen“, „du musst beim Sport Erster werden“), setzen sich meist auch später unter einen ständigen Leistungsdruck. Bleibt trotzdem der Erfolg aus, kann auch dies in einer Depression enden.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Dass Menschen unterschiedlichen Stimmungsschwankungen unterliegen, ist normal. Wenn Sie sich jedoch über einen längeren Zeitraum über nichts mehr freuen können, häufig grübeln, alles „schwarz sehen“, sich abkapseln und schlecht schlafen, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Er wird Ihnen dann sicherlich eine Überweisung zum Facharzt ausstellen.

Scheuen Sie sich nicht, mit dem Arzt über Ihre aktuellen Gefühle zu sprechen. Denn nur, wenn Sie sich offenbaren, kann der Arzt die Schwere der Depression, mögliche Ursachen und eventuelle organische Krankheiten, die häufig mit einer Depression einhergehen, erkennen.
 
 

Diagnose

Der Arzt wird Ihnen im Rahmen eines „offenen Gespräches“ viele Fragen stellen, die Ihren Gemütszustand erkennen lassen. Dabei ist es sehr wichtig, sich ihm ohne Scheu und ehrlich zu offenbaren. Denn oft begleiten Depressionen andere chronische oder akute Krankheiten.

Der Arzt muss wissen, wie oft Sie in den letzten zwei Wochen müde und unkonzentriert waren. Er wird Sie fragen, ob Sie wenig Freude haben und Desinteresse an Ihrer Tätigkeit. Eine Aussage über eventuelle Schlafstörungen ist ebenso wichtig, wie die Information, ob Ihr Selbstwertgefühl immer mehr schwindet. Kommt dann noch hinzu, dass Sie sehr viel grübeln und Ihre Gedanken immer wieder negativ sind, Sie die Welt nur noch in Grautönen sehen, liegt eine Form der Depression vor.

Es gibt auch einen Fragebogen, den Sie meist vor dem Gespräch von Ihrem Arzt erhalten und den Sie ehrlich beantworten sollten. Dieser gibt dem Arzt schon vorab einen entscheidenden Hinweis auf Ihren Gemütszustand.

Der Fragebogen enthält beispielsweise folgende Fragen:
  • Fühlen Sie sich fast durchgängig traurig, niedergeschlagen oder hoffnungslos?
  • Haben Sie so gut wie jedes Interesse an fast allen Dingen verloren, empfinden Sie keine Freude mehr, zum Beispiel auch an Dingen, die Ihnen gewöhnlich Freude bereiten?
  • Haben Sie keinen Appetit mehr oder erheblich an Gewicht verloren?
  • Schmeckt es Ihnen nicht mehr so wie früher?
  • Leiden Sie fast täglich unter Schlafstörungen (Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen oder frühem Erwachen am Morgen)?
  • Sprechen oder bewegen Sie sich langsamer als sonst?
  • Oder leiden Sie im Gegenteil unter einer inneren Unruhe, so dass Sie nicht still sitzen können, sondern auf und ab gehen müssen?
  • Hat sich Ihr sexuelles Verlangen vermindert oder ist es gar nicht mehr vorhanden?
  • Haben Sie kein Selbstvertrauen mehr?
  • Fühlen Sie sich wertlos, oder machen Sie sich Selbstvorwürfe?
  • Haben Sie Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und sich Dinge zu merken, oder fallen Ihnen sogar alltägliche Entscheidungen schwer?
  • Denken Sie häufig über den Tod nach und sogar daran, sich das Leben zu nehmen?
Das Feststellen einer Depression ist der wichtigste Schritt zur Heilung, denn 70 Prozent können mit Psychotherapie und/oder Medikamenten erfolgreich behandelt werden, bei weiteren 25 Prozent kann zumindest eine Besserung erzielt werden.
 
 

Behandlung

 
Depressionen verlaufen in unterschiedlichster Form. Manchmal sind sie nach Wochen oder Monaten von selbst verschwunden, manchmal dauert es ein Jahr oder mehr. Nicht selten treten Depressionen wiederholt auf. Da eine Depression nicht nur für den Betroffenen eine starke seelische Belastung bedeutet, sondern ebenso für die Angehörigen, sollte möglichst schnell eine Therapie eingeleitet werden. Mittlerweile verfügt die Medizin über eine Reihe sehr wirksamer Therapieverfahren. Leichte Depressionen lassen sich meist ambulant bei einem niedergelassenen Psychiater oder Psychotherapeuten behandeln.

Schwere Depressionen hingegen erfordern eine Behandlung auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig den Einsatz von Medikamenten sowie der Psychotherapie. Es ist wichtig, sofort die seelischen Qualen des Patienten zu lindern und dadurch zu vermeiden, dass sich die Depression noch verschlimmert oder gar chronisch wird.

Vorteilhaft während einer Behandlung ist eine Gesprächsgruppe, die die Antriebslosigkeit durch Gespräche mit ebenfalls Betroffenen aktiviert und die Patienten vom selbstzerstörerischen Grübeln abhält. Aber auch gegenseitige Unterstützung, Erkennen von Krankheitsmustern, zu sehen, dass depressiv Kranke nicht allein betroffen sind, können zu Heilung betragen. Des Weiteren gibt es Angebote zur Bewegung und zum gestalterischen Ausdruck, die sehr gern in Anspruch genommen werden – und viel Spaß bringen. Multiprofessionelle Hilfe mit Angeboten zur wichtigen Ergänzung einer Behandlung ist meist nur auf der Station einer Fachklinik für psychische Störungen, am besten auf einer spezialisierten Depressionsstation, möglich.

Bei jeder Depression, die zu einer erkennbaren Beeinträchtigung in der Beziehung zu Mitmenschen oder im Beruf und damit der Lebensqualität führt, in jedem Fall aber bei auftretenden Selbstmordneigungen, sollte vorzugsweise ein stationärer Aufenthalt in einer Fachklinik in Betracht gezogen werden.
 
 

Komplikationen

Heutige Behandlungsschemata bei Depressionen haben meist eine günstige Prognose. Leider sind Patienten mit schweren Formen stark selbstmordgefährdet. Über 10 Prozent begehen Selbsttötung (Suizid), ein noch größerer Teil hat bereits einen Selbstmordversuch hinter sich. Und bei über der Hälfte der Depressionspatienten finden sich Selbsttötungsgedanken.

Mit dem Lebensalter nimmt das Suizidrisiko zu. Dieses Risiko ist bei Männern doppelt so hoch wie bei Frauen. Der Depressive sieht die Umgebung negativ, es folgt ein sozialer Rückzug. Häusliche und berufliche Aktivitäten sind während einer depressiven Phase oft schwer oder gar nicht fortsetzbar. Junge Menschen greifen häufig zu illegalen Drogen, andere zu Alkohol (Achtung: auch bei depressiven Suchtpatienten besteht eine erhöhte Selbstmordgefahr), ältere Menschen verwahrlosen häufig.

Es ist vorteilhaft, bei schweren Depressionen eine Therapie stationär und unter Aufsicht durchzuführen.
 
 

Prävention

Wenn Sie zu Depressionen neigen, sollten Sie, bevor Sie erste Symptome erkennen, schon den Arzt aufsuchen. Er wird Ihnen raten, bewusst den Lebensrhythmus zu ändern und Wege zu finden, mit Ihrem Problem umzugehen. Sport und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft bringen Sie auf Schwung und regen die Endorphine, also die Glückshormone, an. Bringen Sie Farbe in den Alltag, sei es an den Wänden, durch Bilder oder Blumen. Gelb und Violett stimulieren, es sind die Farben der Imagination, der Freude und der Neugier. Speziell an dunklen Tagen sollten Sie nicht an Strom sparen, sondern die Räume hell erleuchten. Übrigens hilft auch eine spezielle Lichttherapie gegen Depressionen, oder vielleicht tut es auch der regelmäßige Besuch des Solariums.

Allein zu sein, ist nicht gut. Verabreden Sie sich mit Freunden zum Klönschnack, machen Sie Urlaub in einem Club. Gönnen Sie sich ein schönes Kleidungsstück, besuchen Sie ein Theaterstück – ein lustiges natürlich, und lesen Sie Bücher, die Sie zum Lachen bringen. Motivieren Sie sich immer wieder, denn: „Die Flasche ist nicht halb leer, sie ist halb voll!“

Mit einer aktiven Lebensweise können Sie auch aktiv auf Ihr Problem zugehen.
 
 

Was kann ich selbst tun?

Fachleute empfehlen Spaziergänge in frischer Luft – bevorzugt in der Sonne und das dreimal die Woche. Das soll die Stimmung heben und die Heilung beschleunigen. Überhaupt ist Bewegung gut für die Freisetzung von so genannten Glückshormonen (Endorphinen). Diese natürlichen, im Gehirn vorliegenden Substanzen tragen zu einer guten Stimmung bei.

Menschen, die regelmäßig Sport betreiben oder sich körperlich betätigen, sprechen unter Umständen auf Antidepressiva besser und schneller an, als jene, die dies nicht tun. Ferner sorgen eine gesunde und ausgewogene Ernährung (Körnerfrüchte, Getreide, Obst und Gemüse, fettarme Speisen mit mäßigem Proteingehalt) für eine rasche Genesung wie auch die Vermeidung von Stress und die genaue Einhaltung der verordneten Therapie.