Blinddarmentzündung

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Eine Blinddarmentzündung ist eigentlich gar keine Blinddarmentzündung. Der Blinddarm ist das blind endende, sackartige Anfangsteil des aufsteigenden Dickdarms. Er liegt unterhalb der Einmündung des Dünndarms und ist daumenlang. Von seinem unteren Ende geht ein zwei bis 20 Zentimeter langer Anhang aus, der Wurmfortsatz oder Appendix vermiformis. Dieses „Anhängsel“ des Blinddarms entzündet sich unter bestimmten Umständen und verursacht die „Blinddarmentzündung“. Sie ist die Magen-Darmerkrankung, die am häufigsten chirurgisch behandelt werden muss. Betroffen sind vor allem Menschen zwischen vier und 25 Jahren. Dabei erkranken mehr Jungen und Männer als Mädchen und Frauen.



 
 

Symptome

Zu Beginn der Erkrankung kommt es häufig zu Schmerzen im Bereich des Bauchnabels und der oberen Bauchhälfte. Diese Schmerzen wandern nach einigen Stunden in den unteren Teil der rechten Bauchhälfte. Sie werden beim Gehen heftiger empfunden. Der Patient mag nicht essen, ihm ist übel und er muss sich erbrechen. Es kann zu Fieber kommen. Allerdings fehlt dieses Symptom bei jedem dritten Blinddarmpatienten.

Gerade Kleinkinder und alte Menschen, aber auch schwangere Frauen weisen von Fall zu Fall ein ganz untypisches Krankheitsbild auf. Das kann die Diagnosestellung verzögern und deswegen die Komplikationsrate erhöhen.

 
 

Ursachen

Ganz unterschiedliche Ursachen haben eine Blinddarmentzündung zur Folge. Meistens lassen sie sich erst bei der anschließenden Operation klären, mitunter ist es auch nicht möglich, den Auslöser einer Blinddarmentzündung festzustellen.

Eine mögliche Ursache ist die Verstopfung (Obstruktion) des Wurmfortsatzes durch Kotsteine, eine andere sein Abknicken, zum Beispiel durch Narbenstränge. In beiden Fällen kommt es zu Entleerungsstörungen. Was sich im Wurmfortsatz einmal „eingenistet“ hat, gelangt nicht mehr hinaus. Fremdkörper wie Kirschkerne oder, wenn auch seltener, Kerne von Weitrauben und Melonen haben einen ähnlichen Effekt. Zudem können sich im Wurmfortsatz bei Wurmbefall des Patienten Würmer sammeln und ebenfalls Entleerungsstörungen auslösen.

In sehr seltenen Fällen gelangen Entzündungserreger über das Blut in den Wurmfortsatz und verursachen eine Appendizitis. Auch bakterielle Infektionen mit Enterokokken, Proteus- oder Kolibakterien führen von Fall zu Fall zu einer Beteiligung des Wurmfortsatzes. Da er viel lymphatisches Gewebe enthält, fällt die Entzündung hier unter Umständen schwerer aus als in anderen Darmabschnitten. Denn ähnlich dem lymphatischen Gewebe der Rachenmandeln bei Erkältungskrankheiten, schwillt das lymphatische Gewebe des Wurmfortsatzes bei Darmerkrankungen an.

Menschen die an Erkrankungen wie Morbus Crohn leiden, müssen damit rechnen, dass sich die Entzündung auch auf den Wurmfortsatz ausdehnt.


 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen ?

Berührungsempfindlichkeit, krampfartige Schmerzen im rechten Unterbauch wie überhaupt Schmerzen im Bauch, die länger anhalten, sollten immer ein Grund dafür sein, umgehend einen Arzt aufzusuchen oder sich sofort in ein Krankenhaus zu begeben. Eine Blinddarmentzündung lässt sich gut behandeln. Doch wenn die Behandlung zu spät einsetzt, kann es zu Komplikationen kommen.
 
 

Diagnose

Keine Untersuchung kann eine Blinddarmentzündung mit Sicherheit ausschließen oder bestätigen. Erst die Operation bringt Gewissheit. Da jedoch eine zu spät erkannte Blinddarmentzündung zu ernsten Komplikationen führen kann, sollte im Zweifelsfall immer operiert werden. Die einzige Ausnahme bilden Patienten mit Morbus Crohn, einer chronischen entzündlichen Darmerkrankung. Hier ist in Sachen Operation Zurückhaltung angebracht, denn sie neigen zu Fisteln, also Verbindungsgängen, die sich zwischen dem Wurmfortsatz und anderen Darmabschnitten bilden.

Trotzdem müssen natürlich im Vorfeld der Operation diagnostische Maßnahmen getroffen werden. Wichtigstes Indiz für eine Blinddarmentzündung sind anhaltende Bauchschmerzen, die mit Brechreiz oder Erbrechen kombiniert sein können. Der Arzt wird nun den Bauch abtasten, um die Schmerzen genau lokalisieren zu können. Bestimmte Schmerzpunkte bestätigen den Verdacht auf Blinddarmentzündung. Der Arzt untersucht auch mit seinem Finger den Enddarm (digito-rektale Untersuchung). Das Messen der Köpertemperatur und eine Blutuntersuchung geben weitere Hinweise auf das Vorliegen einer Blinddarmentzündung. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung lässt sich in manchen Fällen der verdickte Wurmfortsatz nachweisen.

 
 

Behandlung

Besteht der begründete Verdacht auf eine Blinddarmentzündung, ist eine Operation notwendig. Denn je früher der entzündete Wurmfortsatz entfernt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen.

Das Standardverfahren für die Operation ist nach wie vor der offene Bauchschnitt, die so genannte Laparatomie. Doch mehr und mehr setzt sich das minimal-invasive Verfahren, die Laparoskopie durch. Hierbei werden die Instrumente durch drei kleine Schnitte in die Bauchdecke eingeführt. Der Eingriff erlaubt auch in unklaren Fällen eine bessere Diagnose.

Bei einer fortgeschrittenen Entzündung steigt das Infektionsrisiko. Aus diesem Grund bevorzugt der Operateur in diesen Fällen manchmal die offene Methode. Hiefür setzt er einen zirka vier bis sechs Zentimeter langen schrägverlaufenden Schnitt im rechten Unterbauch, durch den er den Wurmfortsatz entfernt. Anschließend wird der Schnitt genäht oder geklammert.

In den ersten 24 Stunden nach der Operation darf der Patient nichts essen und trinken. Er wird über einen Tropf in die Vene ernährt. Danach kann er zunächst schluckweise Wasser oder Tee zu sich nehmen. Nach etwa 48 Stunden beginnt der langsame Nahrungsaufbau – natürlich nur, wenn es zu keinen Komplikationen während und nach der Operation gekommen ist. Zehn Tage nach der routinemäßig verlaufenen Operation werden in der Regel Fäden oder Klammern entfernt.
 
 

Komplikationen

Wird eine Blinddarmentzündung zunächst nicht erkannt und deswegen zu spät behandelt, kann der entzündete Wurmfortsatz durchbrechen. Durch einen solchen „Blinddarmdurchbruch“ (Perforation) gelangen Stuhl und Bakterien in den Bauchraum und lösen unter Umständen eine Infektion des Bauchfells (Peritonitis) aus. Diese Erkrankung ist lebensbedrohlich.

Infolge einer eitrigen Blinddarmentzündung kommt es manchmal zu Wundinfektionen oder Eiteransammlungen (Abszessen) in der Bauchhöhle, die einer gesonderten Behandlung bedürfen.

Auf Grund der Narbenbildung verkleben bei zwei bis vier Prozent der Operierten die Darmschlingen. In 50 Prozent der Fälle ist dies in den ersten drei Monaten nach der Blinddarmoperation der Fall und muss in einigen Fällen mit Hilfe einer weiteren Operation beseitigt werden.

 
 

Prävention

Maßnahmen, mit denen man einer akuten Appendizitis vorbeugen kann, sind nicht bekannt.
 
 

Was kann ich selbst tun ?

Wenn Sie starke Schmerzen in der Bauchgegend verspüren, die auch nach einiger Zeit nicht nachlassen, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, damit er die Ursachen abklären kann. Sollte sich der Verdacht auf eine Blinddarmentzündung dort erhärten, wird er alles Nötige für eine Operation in die Wege leiten. Das ist deshalb wichtig, da das Komplikationsrisiko steigt, je länger die Entzündung des Wurmfortsatzes fortschreitet.

Auch Eltern sollten die Klagen ihrer Kinder über Bauchschmerzen ernst nehmen. Gerade bei Kindern können die Beschwerden einer Blinddarmentzündung einen untypischen Verlauf nehmen. Die Symptome setzen nach und nach ein, die Schmerzen kommen und gehen und werden manchmal erst nach einigen Tagen stärker. Das kann dazu führen, dass eine Diagnose vergleichsweise spät gestellt wird und damit das Risiko von Komplikationen steigt.